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Pommery & Kunst

Expérience #6: 'Son & Lumières’ – ’Klang und Licht'
Die neue Ausstellung von Bertrand Lavier auf der Domaine Pommery

Ausstellung Expérience Pommery #6
Domaine Pommery, Reims, vom 14. September bis 30. März 2010

Die Unternehmensgruppe Vranken Pommery Monopole, Reims, unter Leitung ihres Vorsitzenden Paul-François Vranken, würdigt in diesem Jahr zum 6. Mal in Folge die zeitgenössische Kunst mit einer groß angelegten Ausstellung auf der Domaine Pommery. Gäste aus aller Welt haben die Gelegenheit, von September 2009 bis März 2010 die Werke des Künstlers Bertrand Lavier in den Kreidekellern auf der Domaine Pommery zu sehen.
Expériences Pommery sind monumentale Ausstellungen junger, moderner Kunst, die seit 2004 Jahr für Jahr auf der Domaine stattfinden. Expérience Pommery #6 ist dem französischen Künstler Bertrand Lavier gewidmet. Er arbeitet mit zwei weiteren Spezialisten zusammen: Gérald Karlikow, professioneller Beleuchtungstechniker und Peter Szendy, renommierter Musikwissenschaftler.
1985 präsentierte Bertrand Lavier im 'Musée des Beaux-Arts’ in Nantes ein Werk mit dem Titel Varèse/Calder. Die Idee dieser Präsentation bestand in der Zusammenführung zweier Kunstwerke aus unterschiedlichen künstlerischen Stilrichtungen.
Hier trafen zwei Elemente aufeinander: Die Diffusion der Ionisation von Edgard Varèse als nicht greifbarer Bestandteil und das stabile Element des berühmten Skulpturenkünstlers Alexander Calder. Dieses Zusammenspiel bewegte die Realität beider Werke und ist nun auch das Thema von Bertrand Lavier in der Expérience Pommery #6.
« Sons & Lumières », Klang & Licht, isoliert und inszeniert je ein Objekt in jedem der zwölf Kreidekeller der Domaine. Jedes ruft ein mit der westlichen Kultur verbundenes Universum wach: Gebrauchsobjekte und Symbole verschmelzen miteinander. In den Weiten der Keller lässt jedes der Kunstwerke eine andere Musik erklingen und wird durch ein jeweils typisches Licht angestrahlt. Der Betrachter taucht ein in eine nur schwer zu entschlüsselnde Fiktion, auch wenn er die Lösung zu kennen glaubt. Welche Wirkung löst beispielsweise die große französische Flagge aus, die - begleitet von der Musik von Philip Glass - in einem rosafarbenen Licht weht?

Der Künstler: Bertrand Lavier
Betrand Lavier, geboren 1949 in Châtillon-sur-Seine, lebt und arbeitet in Paris und Aignay-le-Duc, bei Dijon. Sein Diplom als Gartenarchitekt erwarb er an der ’Ecole nationale’ für Gartenbau in Paris. Seit Anfang der 70er Jahre hinterfragt der Skulpturkünstler und Autodidakt die Beziehung von Kunst und Alltag, von Wichtigem und Unbedeutendem und auch das Wesen des Kunstwerkes, indem er in einer als Ausstellungsraum deklarierten Umgebung Objekte aus dem täglichen Leben ausstellt, sie modifiziert und kreuzt, um ihren Status in Frage zu stellen. Das Tun von Bertrand Lavier ist ein Echo auf das Ready Made von Marcel Duchamp und die Nouveaux Réalistes.
Schon 1975 widmete ihm das ’Centre National d’Art Contemporain’ eine monografische Ausstellung in Paris. Im Jahr darauf vertrat er Frankreich auf der 38. Biennale in Venedig.
Bertrand Lavier hatte mehrere Ausstellungen im Consortium von Dijon, im ’Musée d’Art moderne de la Ville de Paris’, im ’Musée national d’art moderne’ – ’Centre Pompidou’ und ’Galeries Nationale du Grand Palais’ und nimmt an allen großen internationalen Treffen der zeitgenössischen Kunst teil.
1990 präsentierte Lavier gemeinsam mit Sherrie Levine die ’Affinités électives’ im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. 1995 war er auf der Biennale für moderne Kunst ’Afrikus’ in Johannesburg vertreten und hat 1998 zur Ausstellung ’Premises’ im Guggenheim Museum Soho in New York beigetragen. 1999 war er auf der Ausstellung Walt Disney Productions 1947-1999 im ’Museum of Contemporary Art’ in San Diego, USA. In diesem Jahr würdigte ihn jüngst die Villa Medici in Rom mit einer monografischen Ausstellung.
Auch im ’Palais de Tokyo’, im ’Louvre' in Paris, im ’Musée d’Art moderne’ von Saint-Etienne, in der Kunsthalle Bern, sowie in der ’Tate Gallery’ in London hat Lavier schon ausgestellt.
2004 beteiligte er sich mit einem Werk an Expérience Pommery #1 « Genesis Sculpture » in den Kellern der Domaine in Reims. 2009 setzt er sein Engagement mit einer Inszenierung um 'Klang & Licht' fort und nimmt in diesem Rahmen an den traditionellen ’Grandes Eaux Musicales’ des Château de Versailles teil. Hier wird er zwei mehrfarbige Springbrunnen präsentieren, die ein Bouquet aus Gartenschläuchen bilden. Die Expérience Pommery #6 mit dem Titel ’Sons & Lumières’ ermöglicht ihm, seine Worte „Der Raum sei der absolute Luxus“ mit Leben zu füllen. Bertrand Lavier wird aktuell von der Galerie Yvon Lambert ausgestellt.

Gérald Karlikow
Gérald Karlikow begann am Theater mit der Inszenierung von Stuart Seide Anfang der 70er Jahre. Antoine Vitez engagierte ihn 1974 als Regisseur, danach für 4 Jahre als Lichtdesigner am 'Théâtre des Quartiers' in Ivry. Er realisierte zahlreiche Beleuchtungen für die ’Comédie Française’, die ’Opéra Comique’, das ’Théâtre National de Chaillot’ und das Festival von Aix-en-Provence.
1985 übernahm er die Außenbeleuchtung für die Eröffnung der ’Grande Halle de la Villette’. 1990 brachte ihn die Begegnung mit dem Architekten Christian de Portzamparc zur Arbeit mit Innen- und Außenarchitektur. Er setzte unter anderem die ’Cité de la musique’ und das Gebäude von LVMH in New York ins rechte Licht. Vor Kurzem beleuchtete er auch die Galeries Lafayette sowie verschiedene bedeutende museografische Neugestaltungen.
Seine internationale Karriere führte ihn nach China, wo er das Museum und den archäologischen Garten von Jinsha in Chengdu belichtete und in Szene setzte.
Er war auch an einer Studie zur Verbesserung der öffentlichen Beleuchtung der historischen Innenstadt von Quito in Ecuador beteiligt.
Während seiner Tätigkeit als 'Regisseur des Lichts' am Theater und an der Oper übernahm er auch die Inszenierung für Retrospektiven großer Maler in europäischen Museen und Sammelausstellungen.
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat er eine Professur an der ENSATT (Ecole Nationale Supérieure des Arts et Techniques du Théâtre) in Lyon, wo er die Dramaturgie des Lichts und dessen Stil lehrt. Außerdem ist er für das Fach ’Licht’ an der Athanor Akademie in Burghausen in Deutschland zuständig.
Aktuell entwirft der die Beleuchtung für den Park von Château von Chantilly und bereitet die Ausleuchtung des 'Louvre' von Abu Dhabi vor.

Peter Szendy
Der Philosoph und Musikwissenschaftler Peter Szendy wurde 1966 geboren. Er unterrichtet an der Universität von Paris. Außerdem ist er musikalischer Berater für die ’Programme der Cité de la musique’ in Paris und Autor mehrerer Essais.
Sein letztes Buch ’Tubes - La philosophie dans le juke-box’ gilt als wichtiger Beitrag zur Analyse des Massephänomens Musik, der erfolgreichen Melodien. Er arbeitet mit gemischten Repertoires, von der englischen Rock-Gruppe Pink Floyd bis Dalida und Serge Gainsbourg für die französische Variante. Er ist überzeugt, dass das Gehör und die akustische Erinnerung weitere Erforschung verlangt. Seine Arbeit beschäftigt sich mit bekannten Refrains und musikalischen Stücken, die nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen sind.
Peter Szendy hat als Operntextschreiber auch mit dem Musicaltheater-komponisten Georges Aperghis zusammengearbeitet. ’Avis de tempête’, das Ergebnis dieser Zusammenarbeit, ist ein unvergleichliches Multimediaspektakel. Georges Aperghis und Peter Szendy wagten es, die Welten der unter-schiedlichsten Schriftsteller, wie Victor Hugo, Hermann Melville und Franz Kafka, zu vereinen.
Er lernte Bertrand Lavier 1997 kennen. Szendy organisierte verschiedene Konferenzen und Diskussionen zu den Unterschieden diverser Künste. In diesem Zusammenhang zeigte er immer wieder die Werke von Lavier. Mehr als zehn Jahre später ermöglicht Expérience Pommery #6 die ursprüngliche Idee weiterzuführen: freudiges Staunen vor dem Alltäglichen der « Popkultur ».
Expérience Pommery #6 bedeutet für Peter Szendy eine neuartige Zusammen-arbeit. Bertrand Lavier hat ihn gebeten, die passenden Musikstücke und Lieder für diese außergewöhnliche Ausstellung zu finden.

Die Domaine Pommery
Mit 55 Hektar, 18 Kilometern unterirdischer Gänge und 20 Millionen Flaschen Champagner, besticht die Domaine Pommery durch ihre beeindruckenden Ausmaße. Die Originalität ihrer Architektur, die immense Ausdehnung ihrer Keller und das hohe Ansehen ihrer Weine machen sie zu einem einzigartigen Ort, der durch « Sons & Lumières Expérience Pommery #6 » ein neues Kapitel in seiner Verbundenheit zur Kunst schreibt.
1868
Louise Pommery beschließt, auf ihrem Grundstück in Reims die Crayères, die alten gallo-romanischen Steinbrüche, miteinander zu verbinden, um sie zu Kellern umzuwandeln, die geeignet sind, Millionen von Champagnerflaschen zu beherbergen. Dann befasst sie sich mit der Architektur und der städtebaulichen Planung der Domaine und schafft ein Werk in neo-elisabethanisch gotischem Stil.
1874
Louise Pommery bricht mit der Tradition des Champagners mit hohem Zuckergehalt und beauftragt ihren Kellermeister, einen möglichst trockenen und wenig herben Wein zu kreieren: Der samtig und wohl ausgewogene Brut ist geboren. Das bedeutet eine Revolution! Begegnete man ihm zunächst mit ungläubigem Staunen, ist er heute der Champagner par excellence.
1882 – 1885
Um die Kreidekeller zu beleben gibt Louise Pommery 1882 bei dem Bildhauer Gustave Navlet vier monumentale Flachreliefs in Auftrag. Das 1882 am Ende der großen Treppe entstandene Werk 'Les Maraudeurs' ist das erste und kleinste. In den Jahren 1883 - 1885 folgen die Gemälde 'Le Grand Silène', 'Un souper sous la Régence' und 'Le Triomphe de Bacchus'.
1888
Mit ihrer Begabung für effektive Werbung plant Louise Pommery einen « Medien-Coup» : um Gerüchten um den finanziellen Zustand ihres Champagner-Hauses ein Ende zu setzen, kauft sie bei einer Versteigerung anonym 'Les Glaneuses' von Jean-François Millet, ein von den Vereinigten Staaten sehr begehrtes Bild. Nach drei Tagen Spannung gibt sie den Namen des Käufers bekannt und schenkt das Werk daraufhin sogleich dem Staat. Heute ist das Gemälde im 'Musée d'Orsay' zu sehen.
1903
Emile Gallé fertigt für das Haus Pommery sein 'Grand Foudre', ein Fass mit einem Volumen von 100 000 Flaschen, dekoriert mit einer Skulptur im Art Nouveau-Stil. Es stellt Frankreich mit den Zügen einer Frau dar, die einer Sphinx mit Indianerhaupt – Amerika – ein Glas anbietet.
1930
Nach dem Ersten Weltkrieg kauft ein amerikanischer Soldat in Reims eine Madonna aus dem 14. Jahrhundert und nimmt sie mit in die USA. Fünfzehn Jahre später bittet er Madame de Polignac, die Enkelin von Louise Pommery, die Statue wieder in ihre ursprüngliche Kirche zu setzen – die im Krieg zerstört wurde. Sie stellt ihre Crayères zu diesem Zweck zur Verfügung. Die Madonna wird umbenannt und wird zur 'Notre-Dame des Crayères', Schutzpatronin der Kreidefelskeller und heißt nun «Notre Dame».
1986
Ein Jahrhundert nach Gustave Navlet schafft der Bildhauer Jean Barat anlässlich der Einführung der Cuvée Louise das gleichnamige Felsrelief in den Kellern.
2004
Die Domaine Pommery wird zum Originalschauplatz eines Experiments der Produktion und Präsentation zeitgenössischer, darstellender Kunst, und lädt ein zur Ausstellung « Genesis Sculpture Expérience Pommery #1 ». In Fortführung des von Louise Pommery eingeschlagenen Weges geben Paul-François und Nathalie Vranken ihre Begeisterung für die Kunst ihrer Zeit mit der monumentalen Ausstellung für moderne Kunst 'Expériences Pommery' weiter. Für jedes Ausstellungsereignis bekommt ein Künstler freie Hand, die Domaine über einige Monate mit Kunst zu gestalten.
Expérience wird jedes Jahr neu belebt:

2004: ’Genesis Sculpture. Expérience Pommery #1’
2005: ’L’Idiotie. Expérience Pommery #2’
2006: ’Supernova. Expérience Pommery #3’
2007: ’L’Emprise du lieu. Expérience Pommery #4’ realisiert von Daniel Buren
2008: ’L’Art (contemporain) en Europe. Expérience Pommery #5’